Gut gegen Nordwind

Drama
Spielzeit: 
Wed 16.10.2019 17:45
Fri 18.10.2019 20:30
Sat 19.10.2019 17:45
Tue 22.10.2019 17:45
Wed 23.10.2019 20:30

Worum geht’s?

Das hat man vom Hasten beim Klopfen in die Tasten: Wegen eines einzigen zu viel getippten Buchstaben landet eine E-Mail von Emmi Rothner (Nora Tschirner) nicht im Postfach jenes Verlages, bei dem sie ein Abo abbestellen möchte, sondern bei Leo Leike (Alexander Fehling). Aus der verirrten Nachricht entspinnt sich zunächst ein harmloser und oberflächlicher, wiewohl launiger Austausch, der jedoch im Laufe der folgenden Wochen und Monate wie von selbst auch immer persönlicher und intimer ausfällt – so persönlich und intim, wie ein Austausch übers Netz eben sein kann. Die beiden werden dabei aber nicht müde, sich zu versichern, dass sie die Grenzen ihrer digitalen Freundschaft unter keinen Umständen auszuloten möchten. Schließlich ist Emmi glücklich verheiratet während Leo über seine gescheiterte letzte Beziehung noch lange nicht hinweg ist. Doch unmerklich sind sie längst zu einem solch grundlegenden Teil des Alltags des anderen geworden – was nun das Aufkeimen ungeahnter Sehnsüchte zur Folge hat. Ja, sollte man sich nicht vielleicht doch einmal von Angesicht zu Angesicht und nicht bloß im virtuellen Raum begegnen, um abzuklären, ob die gegenseitige Anziehung auch der Wirklichkeit stand hält?

Was steckt dahinter?

Mit seiner Idee, die klassische Literaturform des Briefromans als Mailroman neu zu erfinden (oder zumindest zeitgemäß neu einzukleiden) hat der einstige Standard-Journalist Daniel Glattauer 2006 unbestritten einen Nerv getroffen – genauer gesagt: die Geschmacksnerven von mehr als 2,5 Mio. Lesern. So oft wurde Gut gegen Nordwind, übersetzt in mehr als 30 Sprachen, nämlich seither verkauft. Nach einer gern gespielten Bühnenfassung und einer ebenfalls erfolgreichen Roman-Fortsetzung (Alle sieben Wellen) war eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit – die hiermit nach 13 Jahren endlich beantwortet wurde.

Was wird geboten?

Vom Eingang auf die Leinwand: Kann eine Story, die rein auf geschriebenem Gedankenaustausch beruht, als Film funktionieren? Sie kann. Weil der sprudelnde Sprachwitz der Vorlage intakt blieb und von einem wohlfeil eingesetzten Darstellerduo (Nora Tschirner, Alexander Fehling) behände in gesprochenes Wort übertragen wurde. Und weil die Beobachtungen, die das Liebes-Mailodram zum ewig widerspruchssatten Verhältnis von Distanz und Intimität, Fremd- und Vertrautheit anstellt, einfach immer wieder von Neuem spannend sind.